„Filmjahr 2020/2021-Lexikon des Internationalen Films“-Buchbesprechung

Foto: Paula Beer 2020 bei der Berlinale-Preisverleihung
Foto: Paula Beer 2020 bei der Berlinale-Preisverleihung

„Filmjahr 2020/2021-Lexikon des Internationalen Films“-Buchbesprechung

Klaus Brüne lebte von 1920 bis 2003. Er ist der Gründer des „Lexikon des Internationalen Films“. Sein Werk wird nach seinem Ableben von namhaften Autoren fortgesetzt. Das im Schüren Verlag zu Marburg im März 2021 erschiene Buch „Filmjahr 2020/2021-Lexikon des Internationalen Films“ ist mit Texten von Jörg Gerle, Felicitas Kleiner, Josef Lederle und Marius Nobach ausgestattet worden. Das Werk umfasst 544 Seiten. In diesem Buch wird dem Leser mitgeteilt, was sich Filmmäßig im Fernsehen, im Kino, im Netz oder auf Scheiben wichtiges abgespielt hat. Chroniken, Analysen und Berichte von rund 1.500 Filmbesprechungen werden wiedergegeben. Natürlich ist dieser Jahresrückblick wieder ein außergewöhnlicher Rückblick! Aufgrund der Pandemie haben Filmverleiher nicht wie es ursprünglich geplant gewesen war, ihre Filme im Kinosaal zeigen dürfen.

 

Im Buch wiedergegeben werden auch die von Kritikerinnen und Kritikern von filmdienst.de besten 20 Kinofilme. Leider ist in jedem dieser Werke immer eine sehr traurige Reihe aufgeführt! Zum Leben gehört unweigerlich der Tod! Wir Cineasten haben im letzten Jahr uns beispielsweise verabschieden müssen vom großen italienischen Filmkomponisten Ennio Morricone; aber auch vom Schauspieler Michael Gwisdek und vom US-Weltstar Kirk Douglas. Allen großen Künstlern, die 2020 uns für immer verlassen haben, ist ein eigenes Kapitel im Buch vermerkt. Auf die Ausführungen auf den S. 204 bis 225 hätten alle Filmfreunde sehr gerne verzichtet-aber wie bereits erwähnt, zum Leben gehört unweigerlich der Tod. Erfreulich ist zu berichten, die bemerkenswertesten 15 Serien sowie die „Silberlinge 2020“, die herausragenden DVD- und Bluray-Editionen und die Filmpreise und Auszeichnungen werden erwähnt. Auf über 150 Seiten wird ein Special aufgeführt.

Es dreht sich da alles um die Dokumentation des aktuellen Filmgeschehens. Um einmal die herausragenden Leistungen bei jedem einzelnen Film, der in diesem Buch erwähnt wird, darzustellen, nehmen wir einmal den Film „Undine“ als Beispiel zur Hand. Auf den S. 49/50 wird der auf der 70. Berlinale in der Sparte WETTBEWERB deutsche Spielfilm „Undine“ intensiv dem Leser vorgestellt. Der Film hat eine Länge von 90 Minuten. Christian Petzold führt die Regie. Er ist ein „alter Hase“, was die Berlinale angeht. 2012 gewann er den Silbernen Bären für die beste Regie mit seinem Spielfilm „Barbara.“ 2019 zeigte er auf der Berlinale seinen Spielfilm „Transit.“ Dass Christian Petzold gerne sich in den Bereich der Fabeln, der Märchen, des Untergrunds bewegt, beweisen seine Filme, zu denen auch „Die innere Sicherheit“; „Yella“ und „Gespenster“ gehören. Mit „Undine“ zeigt der Regisseur eine klassische Sage. Es geht um die Jungfrau aus dem Wasser. Erst wenn sie eine Vermählung mit einem Mann nachweisen kann, wird ihr eine Seele zuteil. Sollte sie der Mann verlassen, aus welchem Grunde auch immer, muss er dies mit dem Tod bezahlen. Das Märchen für Erwachsene ist Petzold gelungen. Zu verdanken ist das neben dem Regisseur auch den drei Hauptdarstellern Paula Beer, die die Undine mimt sowie Jacob Matschenz, der den Ex-Freund Johannes darstellt und Franz Rogowski. Er spielt den Berufstaucher Christoph und neuen Freund von Undine. Christian Petzold verlegt das moderne Märchen Undine nach Berlin. Undine wohnt in der Nähe des Hackschen Markt in einem Single-Apartment. Sie ist freie Mitarbeiterin in einem Museum und führt dort die Gäste umher. Trotz Promotion ist es ihr nicht gelungen, eine feste Anstellung zu erhalten. Sie darf bei Bedarf und nur auf Zuruf Besucher betreuen. Daher fällt es auch nicht sonderlich auf, dass eine freie Mitarbeiterin eines Tages verschwindet. Als Undine von ihrem bisherigen Freund Johannes verlassen wird, sagt sie bedrohlich: „Wenn du mich verlässt, muss ich dich töten.“ Wieder einmal stellte Kameramann Hans Fromm sein künstlerisches Können unter Beweis.

Er führt die Kamera nicht, er lässt die Kamera gleiten, ja regelrecht schweben. Das merkt man besonders an den Szenen, wo Undine im Museum an baulichen Modellen ihren Besuchern die städtebaulichen Projekte Berlins erklärt und den Aufnahmen unter Wasser. Völlig zu Recht hat Paula Beer den Silbernen Bären bei der 70. Berlinale 2020 als beste Darstellerin erhalten.

Das hochinteressante Buch „Filmjahr 2020/2021-Lexikon des Internationalen Films“ aus dem Schüren Verlag zu Marburg kostet im deutschen Buchhandel 28 Euro. ISBN 978-3-7410-0371-4. Das Buch gibt es auch als eBook-Ausgabe ohne den lexikalischen Teil.

(Text: Volker Neef; Foto des Covers: Schüren Verlag)


Herne in historischen Fotografien-Buchvorstellung

Foto: ESSENZ
Foto: ESSENZ

Der singende Bergmann Erwin Weiss (1934 bis 2008) hatte Ende der 70er-Jahre einen großen Erfolg mit seinem Lied „Sing doch endlich mal 'n schönes Lied von Herne“.

Zu Herne gehört auch der Stadtteil Wanne-Eickel. Bereits 1962 besang das Trio „Friedel Hensch und die Cyprys“ den „Mond von Wanne-Eickel“. Die westfälische Stadt im Ruhrgebiet steht auch für das zweitgrößte Volksfest in Deutschland, die Cranger Kirmes. Ebenso gehört das Schloss Strünkede zum festen Bestandteil von Herne wie auch der Fußballverein Westfalia Herne. Hier begann die Karriere des Vizeweltmeisters Hans Tilkowski (1935 bis 2020). Er spielte 39 Mal in der deutschen Fußballnationalmannschaft. Der Torwart ging in die Sportgeschichte ein aufgrund eines NICHT-Tores! Das berühmte 3. Tor beim 4:2 im WM-Endspiel England: Deutschland 1966 im ehrwürdigen Wembley-Stadion zu London war ein Lattentreffer. Der Schiedsrichter erkannte aber den Lattentreffer als Tor an. Herne kann noch einen Fußball-Nationaltorwart bieten! Im letzten Jahr ist der 1932 in Herne geborene Günter Sawitzki verstorben. Beim in Herne beheimateten SV Sodingen begann die Karriere des Nationaltorwarts. Er kam in 10 Länderspielen zum Einsatz. Zur Kultur aus Herne gehört der 1920 in Herne-Börnig geborene Prof. Kurt Edelhagen. Der 1982 Verstorbene bleibt in sehr guter Erinnerung als Leiter einer Bigband sowie als Dozent und als Komponist. Sein Genre war der Jazz. Mit Herne fest verwurzelt war auch der unvergessene „Adolf Tegtmeier“. Der Schauspieler, Sänger und Komödiant Jürgen von Manger kam 1923 zur Welt und ist 1994 in Herne verstorben. Er erfand das Ruhrgebietsoriginal, den Kleinbürger „und bei die Knappschaft versicherten Adolf Tegtmeier“. Die Stadt Herne vergibt daher in Erinnerung an diesen unvergessenen, besserwisserischen, stets freundlich-nörgelnden Mann aus dem Ruhrrevier den Preis „Tegtmeiers Erben“. Bei diesem bundesweiten Wettbewerb werden die besten Bühnenoriginale geehrt. Der 1944 geborene Fotograf und Journalist Friedhelm Wessel kennt Herne wie seine berühmte Westentasche. Er war einst über 30 Jahre bei den „Ruhrnachrichten“ tätig. Von ihm stammt das im Sutton Verlag zu Erfurt im Sommer 2020 erschienene Werk „Herne in historischen Fotografien“. Auf 128 Seiten präsentiert der Autor dem Leser rund 160 Aufnahmen aus der Nachkriegszeit bis in die Zeit der 1990er-Jahre. Darunter befinden sich auch Fotos, die bisher einer breiten Öffentlichkeit noch gar nicht zugänglich gemacht worden sind. Die Zechen, im Ruhrgebiet liebevoll „Pütts“ genannt, Kneipen, Fußball, Sportler, Tante-Emma-Läden, Naherholungsgebiete und Kulturstätten sowie Künstler kommen in Bild und Wort ausführlich zu Wort. Friedhelm Wessel hat im Grunde gar kein Buch verfasst. Er hat einen Liebesbrief über Herne zu Papier gebracht! Der ein oder andere Zeitgenosse, der noch die Stadt Herne in der Nachkriegszeit erlebt hat, schwelgt in alten Erinnerungen nach dem Lesen und dem Betrachten der Fotos. Jüngere Leute können erfahren, wie Herne, die ob ihrer guterhaltenen Substanz trotz zahlreicher Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg den in der Nachkriegszeit zeitweise verwendeten Beinamen „Goldene Stadt des Westens“ erhalten hatte, sich einst präsentiert hatte. Ob Jung oder Alt, alle werden nach der Lektüre die Stimmen ertönen lassen und es wird erschallen: „Sing doch endlich mal 'n schönes Lied von Herne“. Das von Friedhelm Wessel verfasste Buch „Herne in historischen Fotografien“ ist im Sutton Verlag zu Erfurt erschienen.

 

Es kostet im deutschen Buchhandel 19,99 Euro. ISBN 978-3-96303-252-3. (Text: Volker Neef)